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Ein altes Videostandbild einer Person, die auf einem vollen Gehweg stolpert.

Akademia Ruchu, Potknięcie [Stolpern], 1977, Videostill © Akademia Ruchu

Eine Gruppe von 9 Personen versammelt sich für ein Foto vor der Berliner Mauer und dem Brandenburger Tor. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Akademia Ruchu, gegründet 1973 in Warschau, Polen von Wojciech Krukowski. Buch: Akademia Ruchu. Miasto. Pole akcji [Stadt. Das Aktionsfeld], 2012. Mitglieder*: Cezary Marczak, Jan Pieniążek, Janusz Bałdyga, Jarosław Żwirblis, Jolanta Krukowska, Krzysztof Żwirblis, Zbigniew Olkiewicz.

Ehemalige Mitglieder*: Aleksandra Lompart, Andrzej Borkowski, Andrzej Komorowski, Gabriela Ligenza, Grażyna Skibińska, Hanna Tomaszewska, Jerzy Kapuściński, Joanna Krzysztoń, Jonasz Konderski, Maciej Skalski, Maria Pieniążek, Marta Sutkowska, Piotr Rypson, Ryszard Kawalec.

© Stowarzyszenie Przyjaciół Akademii Ruchu

Akademia Ruchu [Bewegungsakademie] begann in den 1970er und 1980er Jahren im Rahmen zahlreicher anti-kommunistischer Aktivitäten mit Performances im Geiste des sozialen Widerstands, der letztlich zur Entstehung der Solidaritätsbewegung in Polen führte. Diese Performances werden in der Artists’ Street in Form von Fotos und einem Video präsentiert und zeigen die sich gegenseitig verstärkende Beziehung zwischen öffentlichem Raum und Massenaktionen – als ob das eine auf das andere angewiesen wäre, um das volle Potenzial zivilgesellschaftlichen Engagements zu entfalten. Diese transdisziplinäre künstlerische Formation, teils Verhaltenstheater, teils absurdes Theater, umfasste ein breites Spektrum an Ausdrucksformen, von darstellender Kunst bis hin zu Live-Performances, und mied die Kunstgalerie zugunsten des öffentlichen Raums oder anderer nicht-institutioneller Orte.

Unter der Leitung von Wojciech Krukowski (1944–2014) setzte Akademia Ruchu Strategien ein, die man heute als zivilen Ungehorsam bezeichnen würde. Mit ihren friedlichen Methoden störten sie den typischen Lauf des täglichen Lebens (Wortspiel beabsichtigt). Ein Beispiel hierfür ist die Aktion Potknięcie, bei der Mitglieder* von Akademia Ruchu vor einem Publikum aus ahnungslosen Passant*innen wiederholt ins Stolpern gerieten. Aufmerksame Beobachter*innen bemerkten, dass sich die Aktion vor dem damaligen Hauptquartier der Kommunistischen Partei abspielte.

Heimlich und schnell, ein Jahr vor Verhängung des Kriegsrechts, führten Mitglieder* von Akademia Ruchu die Aktion Sprawiedliwość jest ostoją mocy i trwałości Rzeczypospolitej durch, für die sie ein Banner mit der titelgebenden Inschrift des Justizpalasts hochhielten – als Zeichen für eine stille Kundgebung zur Unterstützung der Unabhängigen selbstverwalteten Gewerkschaft „Solidarität“ (NSZZ „Solidarność“). Mit dieser Performance wollte Akademia Ruchu bewusst Geschichte schreiben, aber vor allem ging es bei ihrer Arbeit um die Heilung des sozialen Gewebes, die Wiederbelebung dessen, was verschwunden sein könnte, zwischenmenschliche Bindungen und den Geist des Widerstands.

Text: Claire Tancons

Eine Gruppe von 9 Personen versammelt sich für ein Foto vor der Berliner Mauer und dem Brandenburger Tor. Ein grün-gelber Filter liegt über dem Foto.

Akademia Ruchu, gegründet 1973 in Warschau, Polen von Wojciech Krukowski. Buch: Akademia Ruchu. Miasto. Pole akcji [Stadt. Das Aktionsfeld], 2012. Mitglieder*: Cezary Marczak, Jan Pieniążek, Janusz Bałdyga, Jarosław Żwirblis, Jolanta Krukowska, Krzysztof Żwirblis, Zbigniew Olkiewicz.

Ehemalige Mitglieder*: Aleksandra Lompart, Andrzej Borkowski, Andrzej Komorowski, Gabriela Ligenza, Grażyna Skibińska, Hanna Tomaszewska, Jerzy Kapuściński, Joanna Krzysztoń, Jonasz Konderski, Maciej Skalski, Maria Pieniążek, Marta Sutkowska, Piotr Rypson, Ryszard Kawalec.

© Stowarzyszenie Przyjaciół Akademii Ruchu

Akademia Ruchu, Sprawiedliwość jest ostoją mocy i trwałości Rzeczypospolitej [Die Gerechtigkeit ist die tragende Säule für die Stärke und den Fortbestand der Republik], 1980, Installationsansicht, 13. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, 2025. © Akademia Ruchu; Bild: Diana Pfammatter, Eike Walkenhorst